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Meldungen aus dem Bezirksverband Braunschweig
Meldungen aus dem Bezirksverband Braunschweig

Edemisser Bürgermeister und Partnerschaftsverein empfangen ehemalige Frankreich-Fahrer

Eine Teilnehmerin aus den Vereinigten Staaten angereist

Historisches chwarz-weiß Foto. Eine Gruppe von Jugendlichen sitzt am Rand eines Feldes. Rechts dahinter eine Bus.

4. Juli 1961. Wir sind in Vermandovillers angekommen. Welge

Einen herzlichen Empfang bereiteten jetzt der Edemisser Bürgermeister Tobias Faust und der Vorstand des Edemisser Partnerschaftsvereins einer ehemaligen Jugendgruppe, die im Jahre 1961 auf Initiative des Volksbundes in Frankreich Soldatengräber gepflegt hat. Auf insgesamt vier Friedhöfen – meist mit toten Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg – wurden umfangreiche Pflege- und Erneuerungsarbeiten durchgeführt.

Der Einsatz dauerte knapp drei Wochen, wofür die Jugendlichen ihren Erholungsurlaub zur Verfügung stellten.

In dem kleinen Ort Vermandovillers wurden damals mit Unterstützung eines einheimischen Bauern die Zelte aufgeschlagen.

Die gesamte Gruppe einschließlich der erwachsenen Betreuer wird von der Dorfgemeinschaft sehr herzlich aufgenommen und unterstützt.

Die Arbeit auf den verschiedenen Friedhöfen wird mit großem Interesse verfolgt. Höhepunkt des Aufenthalts in Vermandovillers ist ein gemeinsamer Dorfabend mit der Bevölkerung, an dem mehr als 80 Personen einschließlich Bürgermeister Caussin und der ortsansässigen Dorfschullehrerin Madame Stalin teilnehmen.

Ein weiterer Höhepunkt der damaligen Reise zu unseren sogenannten „Erzfeinden“ war am 14. Juli die Teilnahme an der „Großen Militärparade“ auf der Champs Élysée in Paris, wo ein Großteil der Gruppe in unmittelbarer Nähe des französischen Staatspräidenten de Gaulle Platz gefunden hatte.

Auf Initiative einer der Fahrtteilnehmer, Wolfgang Welge, später Bürgermeister von Blumenhagen und Edemissen, hat jetzt in Edemissen ein Wiedersehen-Treffen stattgefunden. In Absprache mit Bürgermeister Tobias Faust sowie dem Vorstand des Edemisser Partnerschaftsvereins begann das Treffen mit einem Empfang im Edemisser Rathaus.

Wolfgang Welge war insbesondere erfreut über die Tatsache, dass eine Fahrtteilnehmerin eigens aus den Vereinigten Staaten angereist war.

Mit ganz netten Worten hieß Bürgermeister Faust die Teilnehmer ganz herzlich willkommen, ehe er seine Gemeinde Edemissen auch im Bild vorstellte. Wolfgang Welge ließ die wichtigsten Eindrücke und Erlebnisse diese Fahrt vor 64 Jahren noch einmal Revue passieren. 

Die herzliche Aufnahme und die Unterstützung der Bevölkerung von Vermandovillers waren uns Jugendlichen schon damals sehr angenehm aufgefallen, so Welge weiter.

Aufgrund zweier mitgereister Dolmetscher gab es sehr schnell einen engen Kontakt zu dem französischen Redakteur René Gambar, der für den Curier de Picadie schreibt.

In einem äußerst bemerkungswerten Artikel schreibt René Gambar über den Einsatz von jungen Deutschen und das Verhältnis der beiden Länder zueinander. Hieraus eine kurze Passagen:

„Junge Deutsche, die sich über die Gräber ihrer Vorfahren, die auf der Erde der Picardie fielen, beugen, denken über die tragischen Lektionen des Krieges nach und bereiten sich auf die edlen Aufgaben des Friedens vor. Diese Jungen und Mädchen sind alle freiwillig gekommen, um die Friedhöfe, auf denen ihre Vorfahren ruhen, die während zweier Weltkriege auf unserer Erde fielen, zu erneuern und zu unterhalten. Wir machen uns zu ihrem Dolmetscher, um allen in Vermandovillers zu danken. Ist es jetzt nicht die Stunde für freundschaftliche Kontakte zwischen Franzosen und Deutschen und zu entscheiden, sich nicht mehr gegenseitig zu töten?“ 

Der eindringliche Apell von Redakteur Gambar bleibt nicht ohne Folgen. Nachdem es auch einige Schüleraustausche zwischen Chaulnes und Edemissen gegeben hat, kommen auf Initiative der Rektoren die verantwortlichen Kommunalpolitiker zusammen und beschließen am 1. Oktober 1969 eine offizielle Städtepartnerschaft zwischen Chaulnes und Edemissen.

Ab dem Jahre 1972 ist Welge in der Edemisser Kommunalpolitik tätig und wird vom Edemisser Gemeinderat am 11. November 1996 zum Bürgermeister gewählt. Zum obligatorischen Antrittsbesuch geht es mit einer Delegation im Jahre 1997 nach Chaulnes und auf den Soldatenfriedhof in Vermandovillers. Dabei gehören Kranzniederlegungen zu Ehren der Verstorbenen zum festen Bestandteil und Höhepunkt dieser Besuche.

Welge wörtlich: „Die Tage des Einsatzes im Juli 1961 standen mir plötzlich ganz bewusst vor Augen. Mir war klar: „Die Versöhnung über den Gräbern hat stattgefunden. Aus Gegnern wurden Partner, aus Partnern wurden Freunde“. 

Die Partnerschaft hat sich entwickelt und gefestigt. Es finden regelmäßig gegenseitige Besuche statt und zwischen einigen Familien bestehen feste Freundschaften.

Seit Februar 2006 kümmert sich der Edemisser Partnerschafts-Verein um die vielfältigen Belange dieser Beziehung. Das kam auch bei dem Vortrag zum Ausdruck, den das Vorstandsmitglied Karl-Heinz Haugwitz im Rahmen dieses Empfanges abgab.

Extra aus Braunschweig angereist war der Ehrenvorsitzende Walter-Johannes Hermann vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er stellte noch einmal die Wichtigkeit der damaligen Aktion „Versöhnung über den Gräbern“ heraus und lobte den mutigen Einsatz der damaligen Jugendlichen.

Nach dem Empfang im Rathaus ging es nach einem Gruppenfoto zu einem gemeinsamen Mittagessen in ein Restaurant am Edemisser Golfplatz. Hier gab es ausreichend Zeit zum Austausch vieler Gedanken.

Den offiziellen Abschluss dieser Begegnung, zu der die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der gesamten Bundesrepublik angereist waren, bildete der Besuch und die Besichtigung der Hans-Nowak-Kapelle in Voigtholz-Ahlemissen einschließlich eines Gottesdienstes mit der Wipshäuser Pastorin Frauke Lange. Die Lektorin Brigitte Upmann steuerte interessante Details zum Künstler und Menschen Hans Nowak sowie zur Entstehung der Lukas-Kapelle bei. 

Zurück zum Zentralort Edemissen, Zeit für eine Tasse Kaffee!